Luisa sah schön aus. Sie sah aus wie Marilyn Monroe, ihr wasserstoffblondes Haar glänzte im Mondschein. Ihr weißes Kleid war kurz, fürchterlich unanständig, doch die Männer liebten es. Natürlich waren ihre Fingernägel lackiert, knallrot. Knallrot wie das Blut, dass in ihr pochte, sie förmlich unsterblich machte. Gedankenverloren lief sie durch den Park, schaute sich um und dachte nach. Auch hübsche Frauen können klug sein, dachte sie sich. Ihre rot-weißen Ballerinas wurden nass, doch das machte nichts. Viel zu viele hatte sie davon, die konnten alle nass werden. Jederzeit könnte sie sich ja neue kaufen, sie stand auf eigenen Beinen. Nicht wie ein selbstständiger Versager, der Tag für Tag 12 Stunden schuften musste, um sich am morgen vor der Arbeit noch eine Butterstulle kaufen zu können. Selbstständig war sie zwar auch, aber auf eine andere Weise. Die Männerwelt vergötterte ihr unschuldiges Lächeln, sie verfielen ihr. Im Park war es leise. Langsam drehte Luisa ihren Kopf nach hinten. Trotz des sehr dürftigen Laternenlichts, dass den Park gänzlich zu beleuchten versuchte, konnte sie alles sehen. Jeden Perversen im Gebüsch hätte sie gehört. Nein- sie hätte ihn gespürt. Es war keiner da. Keiner, der sich an ihrem 50er-Jahre Outfit ergötzte. Einerseits war das Luisa recht, denn auf gierige Blicke alter Lustmolche, die sie mit ihren Augen auszogen, konnte sie nun wirklich verzichten. Die Blätter raschelten, der Wind wurde stärker. Mit ihren langen Fingernägeln war es gar nicht so einfach ihr Kleid festzuhalten. Auch wenn niemand da war, der sie anschaute, so wollte sie auch den Tieren keinen Blick in ihre Intimzone gewähren. Natürlich hatte sie Unterwäsche an, sie war ja schließlich keine Hure. Sie hatte Stil. Doch heute war es ihr einmal wichtig gewesen angeschaut zu werden. Warum taten es die Männer nicht? Warum wollten die Männer sie nicht begehren? Diese Fragen schwirrten durch Luisas Kopf und machten sie traurig. Heute war sie geil. Geil wie ein Bock. Sie wollte ficken. Doch es war Mitternacht, der Donnerstag hatte soeben begonnen. Mittwoche haben etwas faszinierendes, so ist an ihnen die Arbeitswoche noch nicht annährend vorbei, aber man kann sich schon mal auf das wohl verdiente Wochenende freuen. An diesen Tagen jedoch waren die Leute in dieser Stadt besonders vernünftig. Die Kneipen leerten sich mittwochs besonders früh, der Whiskey floss nicht im Übermaß. Und doch hatte Luisa die Hoffnung ihn heute Abend zu finden, er musste kommen. Er sollte kein notgeiler Hengst sein, um Gottes Willen nicht. Er sollte sie ficken, aber nach dem Ficken sollte er sie vor allen Dingen lieben. Luisa wurde zunehmend unsicherer. Ihre Dauerwelle passte nicht in die Zeit, genauso wenig wie sie. Irgendeinen Mann musste es doch geben, der heute Abend durch den Park laufen wurde. Die riesengroßen Bäume, die vermutlich schon hunderte Jahre dort standen, gaben einem ein Gefühl von Sicherheit. Dieses Gefühl trog.  Hier war man nicht sicher und wenn dann nur sehr eingeschränkt. Luisa war das egal, sie liebte es ihr. 0:12 Uhr. Nun waren zwei Stunden vergangen und er war immer noch nicht da. Weiter lief sie auf und ab, sie würde warten. Sie würden warten bis die Hähne krähen und die Glocken Trauer schlagen würden. Luisa war aufgeregt und sie konnte sich nicht beruhigen. Der Stress machte sie zum Tier. Spätestens wenn die Leute zur Arbeit gehen würden, wäre es soweit. Dann würden auch die schicken Männer im Anzug durch den Park laufen, die sie begehren würden. Luisa würde sie leidenschaftlich mit ihren roten Lippen küssen und es wäre plötzlich völlig gleichgültig wie lang sie gewartet hatte. Der Donnerstag war ein trauriger Tag, ein Tag wie sonst kein anderer. Er war nicht so faszinierend wie der Mittwoch, der Mittwoch war ungeschlagen. Doch auch der Donnerstag hatte etwas besonderes an sich. Was genau galt es herauszufinden.

Kühl war es nicht. Luisa war froh, dass diese Nacht von Mittwoch auf Donnerstag so angenehm lau war. Auch wenn es schon spät war und im Park immer noch niemand aufgetaucht war, bereute Luisa nichts. Als sie sich am Mittwochabend fertigmachte, war ihr klar, das würde keine leichte Übung werden. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Puls ins Unermessliche geschossen, das Adrenalin benebelte ihren Geist. Sie blickte in den Spiegel und was sah sie da? Eine wunderschöne, junge Frau. Unglaublich selbstbewusst. Sie liebte ihren Anblick und sie konnte nicht aufhören sich selbst anzustarren. Zu wohlgeformt war ihr praller Busen, der ihren BH fast zum Platzen brachte. Welcher Mann da wiederstehen könnte, müsste eindeutig schwul sein. Luisa liebte sich. Bisher hatte noch nie ein Mann sie so sehr geliebt wie sie sich selbst. Sie war perfekt. Man würdigte es nicht ausreichend, das kränkte sie. Das musste sich ändern. Und so machte sie sich an diesem wunderschönen Sommerabend auf, um in den Park zu gehen. Wo auch immer er sich jetzt befand, er musste heute durch diesen Park laufen. Ein Mann, der keine Angst hatte, ein Mann, der auch den größten Gefahren ohne Probleme trotzen können würde. Ein Babar mit Stil und étiquette, der sie vor all den Widerlingen in dieser sexualisierten Welt bewahren würde. Ein Mann, der nicht auf Blümchensex stand, sondern sie richtig hart rannehmen würde. Luisa war nicht zerbrechlich, man konnte den Schwanz tief in ihre enge Fotze rammen und sie würde einfach nur stöhnen. Sie würde nicht stöhnen, um ihren Orgasmus vorzutäuschen, nein. Sie würde das erleben, was nur die wenigsten Frauen erleben: einen vaginalen Orgasmus. Dieser Mann sollte heute durch den Park laufen und sie finden. Sie umschwärmen, ihr Rosen schenken, ihre Hand küssen und sie zum Essen ausführen wie ein waschechter Gentleman. Freilich würde er zahlen. Ein Mann, der eine Frau zahlen lässt, ist alles, aber kein Mann. Mit kleinen Jungs wollte Luisa nicht essen gehen. Schließlich war auch sie eine gestandene Frau, die ihren Liebhabern einiges zu bieten hatte. Sie konnte blasen wie eine Göttin, sie konnte Schwänze förmlich in ihrem Mund versinken lassen. Auch stand sie auf Analsex, sie liebte es, wenn ihre kleine Rosette nicht nur fürs Kacken bestimmt war. Über ihre Hupen brauchen wir gar nicht erst reden und die waren nicht aus Silikon.  Nein, das waren von Mutter Natur geschaffene Mördertitten. Und heute würde sie den Mann finden, der für sie perfekt war und ihre gewissen Vorzüge auch zu schätzen wissen würde.

Es war zwei Uhr nachts und Luisa war den Tränen nahe. Würde er doch nicht zu ihr finden? Wären all die Bemühungen, all das wunderschöne Make-Up unnütz gewesen? Sie wusste es nicht. Sie konnte es nicht unterdrücken. Sie weinte. Die Tränen flossen ihre Wange hinunter und ihr wasserfestes Make-Up war wohl doch keines. Sie war verzweifelt. Und so einsam, so unsagbar einsam. War sie vielleicht doch nicht so schön? Wollten die Männer sie doch nicht? Luisa liebte sich. Doch konnten andere sie auch lieben? In dieser Nacht nicht. Traurig trottete Luisa nach Haus. Am Donnerstagmorgen war sie tot.

 

written by Lil Bunna

Datenschutz