Ein weiterer Tag brach an. Immer wenn die Sonne aufging, wusste ich, die Schmerzen würden heute größer sein als gestern. So war es stets. Jeden Tag wurde es schlimmer. Kontinuierlich. Wie sollte sie das bitte aushalten? Schmerzen waren die eine Sache, aber die psychischen Demütigungen ihres Herrn die wesentlich schlimmere. War sie wirklich so ein wertloses Stück Scheiße? War sie unnütz, eine Schande für jeden in dieser Einrichtung? Jeden Tag gab sie sich Mühe alles zu geben. Mehr als sie eigentlich konnte. Über ihre Grenzen hinauszugehen. Da weiterzumachen, wo andere schon längst aufhörten. Sie war motiviert, aber es reichte nicht. Man wollte mehr. Mehr Elan, mehr Leistung, mehr von allem. Sie konnte das nicht. Dieser scheiß Hurensohn wollte mehr.

Das Essen schmeckte ekelerregend. Nie wieder würde sie diese Pampe zu sich nehmen. Aus und vorbei.

Sie musste essen. Sonst würde sie sterben.

Nein, da würde sie lieber sterben. Der Teller war voll und er blieb es auch.

Sie wurde abgeführt.

Schon wieder eine Strafe absitzen. Sie wollte so gerne sterben, aber sie schaffte es nicht. Man gab ihr keine Möglichkeit. Sie musste funktionieren, sie musste arbeiten. Die Kundschaft würde sie sonst vermissen und das würde dem Betrieb keineswegs zugute kommen. Niemals.

Da standen sie schon wieder, in Reih´ und Glied. Sie wollten alle nur zu ihr. Manche kamen mehrfach, anderen war ein Besuch genug. Am Schluss sagte sie wie sonst auch, dass sie sich über einen erneuten Besuch freuen würde.

Das musste sie sagen.

Wie schön es doch wäre, wenn diese elendigen Bastarde nicht mehr kommen würden. Ihr ganzes Leben ist aus den Fugen geraten wegen ihnen. Früher war sie Bankkauffrau. Heute war sie das.

Schlampe.

So wurde sie von ihrer eigenen Familie genannt. Anfangs tat es weh, mittlerweile war es ihr egal. Andere Sorgen bestimmten ihr Leben und das schon seit Jahren. Jahre der Verzweiflung, die niemals aufhören wollten.

Sie wurde älter.
Das Alter macht dich wertlos, definitiv. Dann bist du nur noch ein Stück Dreck, dass niemand mehr ficken will. Das hatte man ihr gesagt. Da war was wahres dran, denn umso älter sie wurde, desto weniger Kunden kamen.

An diesem einen verschneiten Tag im Januar kam ein junger Mann, er war allerhöchstens zwanzig. Er war so nett zu ihr. Er schlug sie nicht, er liebkoste sie. Er behandelte sie wie einen Menschen, nicht wie eine Fickpuppe. Für ihn war sie mehr als nur ein Fick und er war für sie mehr als nur ein Kunde. Seine Zunge verzauberte sie, er würde ihre Zukunft bestimmen. Da war sie sich sicher.

Sie starb.

Er vermisste sie. Vor dreißig Jahren hatte er sie bei der Arbeit kennengelernt. Sie war ein Naturtalent gewesen, außerdem war sie wunderschön.

Er hatte sie geliebt.

 

 

written by: Lil Bunna