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Ungeschönt und ehrlich: diese zwei Adjektive beschreiben meinen Blog wohl am besten. Hier schreibe ich frei Schnauze über alles, was mich bewegt oder aufregt. Viel Spaß beim Lesen!

Ist das schon Porno oder doch noch Kunst?//Film-Kritik zu Nymphomaniac I

Samstag, 6. Juli 2019


Nymphomanie. Ein Wort, dass man aus vielerlei verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann- für den einen ist es der Inbegriff des Lebensstils einer klassischen Schlampe und für den anderen ist eine Krankheit. Eine psychische Krankheit, an der Frauen leiden, die nie Liebe kennengelernt haben und aus diesem Grund sexuelle Befriedigung mit ihr gleichsetzen. Ich für meinen Teil habe mir darüber noch nie große Gedanken gemacht, aber für mich war immer klar: Nymphomaninnen sind nicht automatisch dasselbe wie "Schlampen". Mit dieser Thematik setzt sich auch das Drama "Nymphomaniac" von Lars von Trier auseinander und da ich sowieso ein großer Fan von kontroversen Kunstfilmen bin, war es klar für mich, dass ich diesen heiß diskutierten Streifen mindestens einmal gesehen haben musste. Ich schreibe diese Review bewusst direkt nachdem ich mir den ersten Teil angeschaut habe, da ich so am besten noch weiß wie ich alles bewerten kann. Eine Review zum zweiten Teil folgt. 

"Nymphomaniac" ist ein sehr ruhiger Film, auch wenn der Rammstein-Song "Führe mich" einem direkt zu Beginn einen komplett anderen Eindruck vermittelt. Hier geht nichts Schlag auf Schlag, man lässt sich für alles ein bisschen mehr Zeit als man das von anderen Produktionen gewohnt ist. Der Film startet direkt damit, wie ein alter Mann die auf dem Boden liegende Joe zu sich nimmt, um ihr einen Tee anzubieten und sie gesund zu pflegen. Logischerweise fragt er sie warum sie denn so hilflos, ja eigentlich sogar schon halb tot, auf dem Boden gelegen ist. Sie kann es ihm nicht sagen und betont nur stets, dass sie ein schlechter Mensch gewesen sei. Sie könne es ihm nur mithilfe einer Geschichte erklären, die jedoch sehr lang ist und er ohnehin nicht verstehen würde. Doch natürlich interessiert sich der Herr dafür und so geht es Kapitel für Kapitel ein Stück weiter in Joes Leben und der Zuschauer erkennt schnell, was Joe für einen krankhaften Umgang mit der Sexualität hat. 

Ich möchte hier keinesfalls spoilern und spare mir daher alle weiteren storyrelevanten Details zum Film, nur eins vorweg: für "Nymphomaniac" sollte man sich Zeit nehmen. Dieser Film ist (wie alle anderen Lars von Trier-Werke auch) sehr harter Tobak und nicht unbedingt für den Otto Normalverbraucher etwas. Denn wie schon vorhin erwähnt kommt der Streifen nur sehr langsam in die Gänge und der ein oder andere wird ihn deswegen als ermüdend oder langweilig bezeichnen. Dieses Gefühl der Langeweile kam sogar bei mir auf- und zwar nicht, weil ich mich nicht mit dem Film auseinandergesetzt habe, sondern weil es schlichtweg zu viele Längen gibt. Zwar bekommt man extrem viele Genitalien zu Gesicht, aber das bekommt man auch in jedem x-beliebigen Porno.

Das besondere ist eher wie Lars von Trier es stellenweise schafft, den Sex auf eine wundervolle Art und Weise zu ästhetisieren. Leider verliert er sich viel zu oft in Details, die "Nymphomaniac" jegliche Dynamik entziehen. Wenn man beide Teile als einen zählt (sie gehen nahtlos ineinander über) dauert der Spaß über fünf Stunden- das ist zweifelsohne zu viel des Guten. Für mich ist die Frage, ob es sich hier um einen Porno oder einen Kunstfilm handelt, zwar schnell abgefrühstückt, da man schnell merkt, dass hier der dargestellte Sex nicht mittel zum Zweck ist, sondern zwingend notwenig für die fortlaufende Handlung des Films ist. 

Nochmal anschauen werde ich mir "Nymphomaniac" ziemlich sicher nicht. Aber ich bin froh ihn gesehen zu haben und freue mich auf den zweiten Teil- da der erste mit einem Cliffhanger endet. Alles in allem ist "Nymphomaniac" vor allem für jene geeignet, die sich schon immer gefragt haben, was Nymphomanie ist und ob man vielleicht selbst im Freundeskreis eine Nymphomanin hat. Ansonsten: klassischer Fall von Kunstfilm. Kann man lieben, kann man aber auch hassen. Beides absolut verständlich. Ich für meinen Teil setze mich jetzt erstmal vom Bildschirm weg und gehe den Vögeln lauschen. Wenn ihr versteht, was ich meine.

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